Civilization: wie man Kreta nicht spielen sollte

Am Sonntag vor knapp zwei Wochen war es mal wieder Zeit für eine Runde Civilization, das Brettspieloriginal von WdS. Wieder einmal musste ich mich mit Kreta als Startposition abgeben. Anders als im letzten Spiel ging das diesmal aber vollkommen daneben. Der folgende Artikel ist also eine Analyse dessen, was man als Kreter besser nicht machen sollte, will man überhaupt eine Chance auf den Sieg haben.

Civilization Startaufstellung
Startaufstellung des Spiels

Für diese Runde fanden sich mal wieder, neben mir, drei weitere Mitspieler. Wie man im Bild oben schön sieht, schränkt die Variante mit vier Spielern das Spielfeld auf Ägäis, Kleinasien und den nahen Osten ein. Zur Auswahl stehen dabei fünf Zivilisationen, Thrakien, Kreta, Asien, Assyrien und Babylon. Da ich als letzter wählen durfte blieb mir nur die Wahl zwischen Assyrien (eingekeilt zwischen Asien und Babylon in der rechten oberen Ecke der Karte) und Kreta. Hätte ich Assyrien gewählt hätte ich mich zwischen Asien und Babylon früh aufgerieben, und Thrakien (links oben) hätte leichtes Spiel gehabt. Also blieb mir keine andere Wahl als wieder in den sauren Apfel zu beißen und Kreta zu spielen.

Wie man mit Kreta falsch anfängt

Detailansicht der Ausbreitung von Kreta und Thrakien nach Runde 3
Ausbreitung von Kreta und Thrakien nach Runde 3

An sich ist die Vorgehensweise für Kreta anfangs stets dieselbe. Man wartet bis man nach Runde 3 acht Bevölkerungseinheiten auf seiner Insel versammelt hat, baut dann in einem der beiden Gebiete mit der dortigen Bevölkerung ein Schiff (was zwei Bevölkerung kostet) und fährt vier der verbliebenen Einheiten woanders hin. Und hier machte ich meinen ersten Fehler: anstatt, wie üblich, die Inseln der Ägäis und den Peloponnes frühzeitig zu besetzen und damit Thrakien zurückzuhalten, expandierte ich nach Osten, nach Kleinasien hinein und nach Zypern. Das brachte mich schnell in die Zange zwischen Thrakien und Asien, und mir standen weniger Stadtfelder zur Verfügung. Darüber hinaus verlor ich auf Zypern gleich eine weitere Einheit, da die Insel nur drei Bevölkerung unterhalten kann und ich mein Schiff nicht behalten konnte bzw. wollte.

Stand nach Runde 5
Stand des Spiels nach Runde 5

Bereits nach Runde 5 kann man schön sehen, wie sich diese beiden Fehler rächten. Zwar konnte ich Trakien noch Athen abtrotzen und mich auf der Spitze Griechenlands festsetzen, doch war ich dort wie auch in Kleinasien zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen. Auch wenn Babylon es verschlafen hatte, rechzeitig seine ersten beiden Städte zu bauen, hatten Thrakien und Asien nun doch deutlich bessere Ausgangsbedingungen.

In der Folge entwickelte sich aber doch eine sehr vergnügliche Partie. Mit meiner stets sehr geringen Bevölkerung – ich musste Städte gründen sobald es möglich war um mit den Handelskarten nicht den Anschluss zu verlieren – war ich immer nach Thrakien am Zug. Ich konnte also regelmäßig Städtegründungen verhindern und unterbesetzte Felder in seinem Kerngebiet besetzen, was ihn zumindest sehr ärgerte. Genauso störten die Thraker Asien früh beim Gründen von Städten, was in einer fortwährenden Rivalität der beiden mündetet. Und auch Babylon mochte die Asier nicht so recht in Ruhe lassen.

Fall eines Weltreichs

Stand nach Runde 9
Folgen des ersten Bürgerkriegs für Kreta

Der finale Nagel zu meinem Sarg war aber schließlich der erste Bürgerkrieg den ich in der neunten Runde zog. Der zweitschlechteste Spieler nach mir war Thrakien, und er nutzte natürlich einen weiteren Fehler genüßlich aus, den ich machte: ich wählte von meinen 15 Einheiten drei Städte aus. Damit konnte er von meinen verbliebenen Spielsteinen drei weitere Städte wählen und nur fünf Bevölkerungseinheiten. In der nachfolgenden Aufräumphase konnte ich damit nur noch zwei Städte unterhalten, die restlichen vier musste ich auflösen. So hatte ich mich effektiv selbst aus dem Spiel katapultiert.

Endgame

Den Rest des Spiels spielte ich damit natürlich keine Rolle mehr, und war nur noch damit beschäftigt, meine jämmerliche Zivilisation wieder aufzupäppeln. Asien und Thrakien machten damit das Spiel unter sich aus. Asien hatte allerdings schon früh einen Vorsprung herausgearbeitet, indem er bereits im fünften Zug alle neun Salzkarten sammelten und so schon sehr früh teure Handelskarten kaufen konnte. Der nächste Bürgerkrieg, der ihn traf, kostete ihn damit nur drei Städte, die an mich übergingen.

Spielende
Das Spielfeld bei Spielende

Das folgende Bild zeigt den Spielplan am Ende des Spiels, als wir nach 12 Runden aufhörten. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir etwa elf Stunden lang gespielt, und zumindest war ein Sieger abzusehen.

Wie man in der Tabelle sieht hatte Asien bereits einen ordentlichen Vorsprung herausgearbeitet, der selbst von Thrakien kaum noch einzuholen war. Und selbst Babylon hatte mich auf der Entwicklungstabelle überholt, da ich mir lange keine Entwicklungskarten leisten konnte

Platz Volk Entwicklungstabelle Punkte Karten Punkte Gesamt
1 Asien 12 1110 1147
2 Thrakien 12 890 958
3 Babylon 11 750 751
4 Kreta 10 405 419

Mein Fazit aus dieser Partie:

  • Spiele Kreta nur, wenn Du genau weißt was Du tust und ein Handycap haben willst.
  • Spiele Kreta nach der Standardstrategie, d.h. beanspruche die Ägais für Dich, und lass Thrakien sich mit den Völkern aus dem Osten um Kleinasien streiten.
  • Hole Dir früh Weben und Astronomie, denn wenn Du schon nicht um den Sieg mitspielst, so macht es doch Spaß als Pirat das Mittelmeer unsicher zu machen.
  • Wähle bei einem Bürgerkrieg immer selbst genügend Spielsteine aus, um die verbleibenden Städte zu versorgen. Nicht versorgte Städte sind eine zusätzliche Strafe, die nicht sein muss.

Und damit nochmals herzlichen Dank an Thomas (Babylon), Andreas (Asien) und Sascha (Thrakien) für die schöne Partie und dass sie mir meine Sticheleien (auf dem Spielfeld) nicht nachtragen.

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