Kostenfreie Spieleentwicklung mit Unity und Visual Studio

Seit einigen Jahren lässt sich ein dramatischer Wandel in der Spielebranche beobachten: neben den etablierten, großen Entwicklerstudios und Publishern entstehen immer mehr kleine, unabhängige Studios, die in Eigenregie ihre Spiele entwickeln und vermarkten. Möglich machen dies neben Vermarktungsplattformen wie App Stores und Steam auch kostenfreie Game Engines wie Unity und seit 2. März 2015 auch die Unreal Engine 4. Mit seinem Vermarktungsmodell, einer kostenlosen Version für Indie-Entwickler und eine Pro-Version für größere Studios, war Unity allerdings der Vorreiter dieser Entwicklung. Eine vollständige Toolchain für die Entwicklung zu installieren ist damit kinderleicht, und will ich im Folgenden kurz beschreiben.

Derzeit verwende ich Unity 5.0 zusammen mit Visual Studio Community 2013. Bemerkenswerterweise hat Microsoft vor nicht allzu langer Zeit erkannt, dass die kostenlose Weitergabe seiner Produkte an kleine Firmen und private Entwickler ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann. Entsprechend hat diese Visual-Studio-Edition eine ähnliche Preisgestaltung wie Unity, ist also kostenlos für private Entwickler und kleine Studios. Zuvor waren Amateur-Spieleentwickler wie ich auf die Mono-Entwicklungsumgebung oder Visual Studio Express angewiesen, was den Spaß deutlich einschränken kann.

Import Assets into Unity
Importieren neuer Pakete in Unity

Um also mit dem Spiele programmieren loslegen zu können braucht man Unity, Visual Studio, und die Visual Studio Tools für Unity (UnityVS), sozusagen die Brücke zwischen den beiden. Die drei Programme bringen jeweils einen Installer mit und lassen sich normalerweise problemlos installieren. Eine Hürde muss man möglicherweise bei der Einbindung von UnityVS bewältigen. Laut Dokumentation lässt sich das Paket einfach über die Standard-Assets auswählen, allerdings schreibt UnityVS das Paket in das falsche Verzeichnis. Anstatt in
Unity-5.0.0\Editor\Standard Assets
findet es sich in
Unity-5.0.0\Editor\Standard Packages
Über zwei einfache Wege lässt sich das Problem aber lösen. Entweder man wählt unter Assets/Import Package den Eintrag Custom Package … aus (s. Bild) und sucht in der Verzeichnisauswahl das entsprechende Paket, oder man verschiebt das Paket in das richtige Verzeichnis und hat es nun für alle weiteren Projekte in der Auswahl der Standardpakete.

Damit ist die Integration von Unity und Visual Studio auch schon abgeschlossen. Ein Doppelklick auf ein Skript öffnet es automatisch in Visual Studio, wo es mit allem Komfort einer modernen Entwicklungsumgebung bearbeitet werden kann. Das Debugging ist nun genauso kinderleicht. Über den Button Attach to Unity verbindet sich Visual Studio automatisch mit dem Unity-Editor und los geht es.

Möglicherweise ist damit allerdings das Ende der Entwicklung von Visual Studio und .NET hin zu einer vollständigen Integration mit Unity noch nicht erreicht. Auf seiner Entwicklerkonferenz Build 2015 kündigte Microsoft u.a. Versionen von .NET Core für Linux und OS X an, sowie die freie Entwicklungsumgebung Visual Studio Code, ebenfalls auch für Linux und OS X. Vielleicht ersetzt Unity irgendwann seine veraltete Mono-Version durch das aktuelle .NET. Offizielle Statements dazu gibt es allerdings noch nicht.

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